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Kinderleben in Wilhelmsburg

Manchmal hat man das Gefühl, Wilhelmsburg schlingere immer nur knapp am Chaos vorbei, was der Wahrheit nahe kommt. Und dennoch: der Stadtteil lebt.

Hans-Ulrich Klose, ehem. Bürgermeister von Hamburg

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„Leben in Wilhelmsburg“. Die Assoziationen dazu sind vielfältig. Neben „Insel“ oder „Hafen“ assoziierten bis vor kurzem noch viele Hamburger ein Leben in Wilhelmsburg mit „Ghetto“, „sozialer Benachteiligung“ und „Multikulturalität“. In den letzten 10 Jahren war der Stadtteil einem großen Wandel unterworfen und das angebliche Ghetto ist nun „in“. Diese Assoziationen, die Wahrnehmungen über ein Leben in diesem Stadtteil, spiegeln nur den Blick von außen wider. Dagegen stehen ganz eigene Assoziationen von den Bewohner*innen.

Als Ghetto wurde der Stadtteil von seinen Bewohner*innen schon lange nicht mehr wahrgenommen, vielleicht sogar nie. Die Vielfalt ist sogar größer als der Blick von außen vermuten lässt. Dabei ist Vielfalt im Stadtteil ein so selbstverständliches Bild, dass sie als solche von seinen Bewohner*innen nicht zwingend als etwas Besonderes wahrgenommen wird. Dabei spiegelt sich die Vielfalt tatsächlich in allen Bereichen des Lebens in Wilhelmsburg wider. Nicht nur leben hier Menschen aus vielen Kulturen und Nationen, auch trifft hier Eigenheim auf Hochhaussiedlung, die wiederrum auf Reihenhaussiedlung trifft, die an das Arbeiterviertel anschließt. Das Leben im Grünen umgeben von Feldern, steht dem Leben im belebten Viertel gegenüber. Die Quartiere Wilhelmsburgs bieten unterschiedliche Anreize, wie es sonst unterschiedliche Stadtteile tun. Jedes dieser Quartiere unterscheidet sich von den anderen in seiner Bauweise und seinen Bewohner*innen in erheblichem Maße. Damit lassen sich keine allgemeinen Aussagen über das Leben in einem Stadtteil machen, der sich sogar in der feinsten Betrachtung in seinen Grundstrukturen unterscheidet.

Außer in einem Punkt: Den Kindern. Wilhelmsburg ist einer der kinderreichsten Stadtteile Hamburgs und gleichzeitig der Stadtteil in dem die meisten Kulturen und Nationen zusammentreffen. In den Kindergärten, Schulen, Häusern der Jugend und Sportvereinen kommen die Kinder der verschiedenen Quartiere zusammen.

Was bedeutet also „Kinderleben in Wilhelmsburg?“

Natürlich, es ist eine Herausforderung! Die Kinder sind häufig Sprachrohr ihrer Eltern, übernehmen damit früh Verantwortung. Sie müssen sich Herausforderungen stellen, die viele Kinder gleichen Alters in Hamburg nicht erleben. Sie leben zum Teil in zwei Welten, die sie kombinieren müssen. Sie wachsen meist nicht mit großer finanzieller Absicherung auf. Sie sehen täglich, dass es auch vielen Anderen geht, wie ihnen selbst.

Damit stellt sich die Frage noch einmal und noch einmal konkreter, bedeutet ein Kinderleben in Wilhelmsburg aufwachsen unter erschwerten Bedingungen?

Vielleicht ja. Aber das wäre nur eine einseitige Betrachtung. Zum einen wachsen sie in Wilhelmsburg auf einer grünen Insel auf. Es gibt viele Angebote für Kinder und Familien, die gerne angenommen werden. Freunde und Familie sind in unmittelbarer Nähe und doch können sie sich in einer bekannten Umgebung ihren Freiraum erobern. Schaut man zum anderen genau hin und fragt genau nach, dann sieht man das unglaubliche Potential der Kinder! Sie lernen dass miteinander verschiedener Nationalitäten, Kulturen und Schichten selbstverständlich in ihrem Alltag. Sie lernen Ähnlichkeiten und Unterschiede ihrer Sprachen und Kulturen kennen – wer sonst weiß schon, dass „Kartoffel“ auf Türkisch („patates“) und Portugiesisch („patata“) fast gleich klingt. Sie wachsen in einem Umfeld auf, das Ihnen die Angst vor anderen Kulturen nimmt und den Respekt und die Selbstverständlichkeit des Miteinanders fördern kann.

Was brauchen Kinder in Wilhelmsburg?

Die Kenntnisse und Fähigkeiten der Kinder in Wilhelmsburg, gehen durch den Druck des Spracherwerbs häufig unter. Die vielen Kompetenzen die diese Kinder mitbringen, stehen der Notwendigkeit entgegen sich ausdrücken zu können. Helfen kann ihnen dabei ein Raum der ihnen Zeit und Möglichkeiten gibt, sich auszudrücken. Ein Raum, der fernab ihrer Alltagswelt ist und dennoch damit in Verbindung steht. Der Zirkus gibt den Kindern genau diese Möglichkeiten. Die Kinder verbinden mit Zirkus Freude, Phantasie, eine laute und bunte Welt und sicherlich auch immer ein Stück weit Freiheit. Alle Sinne der Kinder werden angesprochen und die Neugier geweckt.

Kinder_probieren_viel_aus_Zirkus Willibald_0092Mit einer Grundhaltung von Spaß und Freude, der Möglichkeit des eigenen Erlebens und Gestaltens der Zirkuswelt, wird das Lernen und konzentrierte Arbeiten erleichtert und die Kinder werden in der Entwicklung ihrer gesamten Persönlichkeit unterstützt. Die Entwicklung der Persönlichkeit, das Lernen respektvoll und im Team zu arbeiten, gemeinsam etwas zu erreichen, das alles stärkt die Kinder über die Arbeit im Zirkus hinweg für ihren Alltag und hilft ihnen dabei, ihre Potentiale zu entfalten.